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Minimal ist maximal, aufmerksames Anschauen das Geheimnis

Über die Plastiken von Ulrike Möhle

von Frank Laukötter

 

„Aufmerksamkeit ist ein natürliches Gebet des Geistes.“ – Nicole Malebranche

 

Eine kleine, frühe, geheimnisvoll einfache Arbeit namens Shadow (Abb. S. XX) von Ulrike Möhle besteht aus zwei Teilen – womit sie schon keine einfache Arbeit mehr ist – auch in anderen Hinsichten. Das eine um andere Detail bedarf der Aufmerksamkeit. Beide Teile gleichen sich formal, nicht aber farblich. Die Form hat in der Breite und Höhe jeweils die eines Vielecks mit neun Ecken, entspricht also nicht der klassischen Form des Vierecks, genauer Rechtecks. Beide Teile sind aus Steinzeug, oberflächlich matt schwarz, der linke Teil ist in den beiden oberen Dritteln gelb, der rechte grau glasiert. Zwischen den matten und den glänzenden Oberflächen ist je eine kleine Kerbe in die Reliefs von Shadow geritzt. Durch den Titel wird dieses Werk von einem konkreten zu einem abstrakten. Die glänzende Oberfläche des Bildkörpers ist eine Ebene, die Licht reflektiert, die matte dessen Schatten. Die Reliefs einen also, getrennt durch je eine Kerbe, ein Ding und dessen Schattenriss. Hinzu kommt – womit die Arbeit ferner keine einfache mehr ist – der Schatten, den es wirft, wenn es auf Licht trifft: Shadow stellt zugleich einen Schatten dar und einen Schatten her.

Je einfacher ein Werk zu sein scheint, desto einladender ist es, dieses eingehender – wieder und wieder – wahrzunehmen. Zurück zu Shadow. Der Teil, der den Schatten wirft, ähnelt den Formen, die George Braque und Pablo Picasso verwendeten, als sie den Kubismus erfanden. Es handelt sich um Kippfiguren, bei denen es ambivalent bleibt, ob eine Kante von den Augen zurückweicht oder ihnen entgegenspringt. Es gibt die Theorie, dass die Künstler hierzu von einem Naturforscher inspiriert wurden, der Ernst Mach hieß. Dieser hatte für eine solche Ambivalenz die grafische Wiedergabe eines geknickten Zettels ins Feld geführt, bei dem offen bleibt, wohin der Knick den Blick weist. Selbiger Forscher, der Wegbereiter der Gestalttheorie ist, ließ seine innere Perspektive in einem Buch illustrieren. Zu sehen ist ein Fenster gegenüber, links Bücher in Regalen, seine Beine, ein Stift in seiner rechten Hand, nicht zuletzt aber den Rahmen seines linken Auges und sein linker Nasenflügel. Mach nimmt wahr, sehr, sehr genau wahr, auch sich selbst, während er wahrnimmt – was eine Empfehlung sei für die Wahrnehmung der Arbeiten von Ulrike Möhle.

Paradigmatisch lässt sich dies angesichts der Plastik Zwei XIII (Abb. S. XX) demonstrieren. Aus der Fernsicht erscheint sie von zwei Seiten als ein Betonblock, von den beiden anderen Seiten hingegen als ein geöffneter Betonblock. In der Nah- und Aufsicht ist zu erkennen, dass in den Block ein Stück Steinzeug eingelassen ist, eine komplexe Form mit Hohlraum, außen hellgrau und innen blau glasiert. Ein weiteres Stück ebenso blau glasiertes Steinzeug befindet sich unterhalb der Plastik eingelassen in den Sockel aus Vierkantstahl. Die Wiederholung des glasierten keramischen Materials auf zwei Ebenen – etwas über Bodenhöhe und etwas unter Augenhöhe – führen zu einer Zuwendung zur Untersicht von Zwei XIII. Hier zeigt sich nicht nur ein Stück blau glasierten Steinguts in Fortsetzung des Stücks darüber, sondern auch noch ein weiteres, das der Betonblock darüber in den Ansichten auf Augenhöhe vollständig vor den Augen verbirgt. Es als Geheimnis zu lüften, ist den Betrachterinnen und Betrachtern möglich, die sich das Werk aufmerksam aus verschiedenen Perspektiven anschauen, es sich gleichsam in der Anschauung peu à peu so zusammensetzen, wie Ulrike Möhle es in dessen Ausführung zusammengesetzt hat. Eine solche Anschauung ist ein Prozess des Rekonstruierens, das Entwerfen einer Explosionszeichnung im Geist, welche Teile auf welche Art miteinander verbaut sein könnten.

Die Fragen, auf die Zwei XIII Antworten gibt, sind auch Gegenstand von Arbeiten aus anderen Werkserien. Schon die Titel der Serien Box, Container und Silo kennzeichnen die Beschäftigung mit dem Verhältnis zwischen dem Inneren und dem Äußeren eines Behältnisses. Der Titel der Serie Espace | Surface deutet hin auf die Beschäftigung mit dem Verhältnis zwischen der zweiten und der dritten Dimension, zwischen einerseits den Extremen eines Betonblocks mit groben Poren und andererseits einer dünnen Schicht Steinzeug mit dem zarten Schmelz einer Glasur. Und die Titel für die Serien Addition, Tektonisch und Zwei stehen für die Beschäftigung mit dem Verhältnis zwischen den Teilen und dem Ganzen, wozu auch, wie bei Zwei XIII gezeigt, der Sockel gehört. So wie soeben dargestellt, spricht vieles dafür, die Arbeiten aus allen Werkserien formalistisch zu interpretieren, konkret im Sinn von Theo van Doesburg, laut dem sinngemäß ein Betonblock nur ein Betonblock ist, eine dünne Schicht Steinzeug nur eben diese, etc. Das stimmt und stimmt nicht, siehe Shadow, ein abstraktes Werk. Etliche Werke haben aufgrund ihrer Form, ihres Formats und ihrer Materialien, seit 2016 auch durch den Einsatz von Acrylglas, etwas von architektonischen Modellen. So ist Zwei XIII, als Haus verwirklicht vorgestellt, wahlverwandt mit einer Ikone der Moderne, mit dem Haus Fallingwater von Frank Lloyd Wright, was eine mögliche, keineswegs nötige sekundäre Bezugnahme ist. Primär sind sie spezifische Objekte in dem Sinn von Donald Judd und Frank Stella: „Man sieht das, was man sieht.“

stapeln, schichten, schieben lautet entsprechend der Titel des Katalogs von Ulrike Möhle. Was die Arbeiten demonstrieren, das lässt sich an ihnen studieren: das Miteinander, Gegeneinander, Hintereinander, Nebeneinander und Übereinander der Formen; ihre Größenverhältnisse; ihre jeweilige Materialität; ihre jeweilige Oberfläche; und das Spiel des Lichts. So wird, was Letzteres betrifft, eine Betrachterin bzw. ein Betrachter bei Tektonisch IV eine jede Öffnung genau wahrnehmen, das Augenpaar um die Senk- und Waagrechte bewegen, ggf. auch die linke oder rechte Hand vor die Öffnungen halten, um dadurch das Geheimnis zu lüften, woher das Licht im Inneren kommt. Das geht nicht vor den Reproduktionen des Katalogs, nur vor den Originalen. Also auf zu ihnen, zu den Sachen selbst, zu den Phänomenen, die sie, aufmerksam aus verschiedenen Perspektiven angeschaut, erzeugen.

 

Frank Laukötter

Katalog 2018                                                         Ulrike Möhle  stapeln | schichten | schieben

 

 

 

Geteilte Räume – Sechs Positionen abstrakter Bildhauerei

Kunstverein Kaponier e.V.Vechta, 13.Februar 2013

D.Rebekka Schwiddessen,( Kunsthistorikerin,Kuratorin) zu den Arbeiten von Ulrike Möhle

Ulrike Möhle arbeitet mit den Materialien Beton und Keramik. Aus diesen Materialien schafft sie Körper, die sie ineinander und aufeinander setzt. Alle Formen erinnern an Architektur, was durch den Gebrauch von Beton unterstützt wird. Beton wird im Gegensatz zur Keramik gegossen und es bedarf einer Gussform, die zunächst angefertigt werden muss. Keramik hingegen kann geformt und im Anschluss gebrannt werden. Die entstehenden Betongüsse haben im Vergleich zur Keramik eine sprödere Oberflächenbeschaffenheit. Die Kanten sind nicht sauber, sondern weisen Unebenheiten auf, was den dem Beton einen zeitlichen Aspekt verleiht.(…) .

Der Innenraum wird durch Schlitze und Höhlungen angedeutet. Die aufgebauten Keramikformen überragen manchmal nur leicht das darunter liegende Element. Das Ineinandergreifen von Formen und Räumen, deren Abgrenzung und Akzentuierung durch unterschiedliche Oberflächen und Kanten, oder deren leichte Überlappung, das Andeuten eines Innenraums sind die Elemente, die den ästhetischen Reiz der Skulpturen von ausmachen (..)

 

VERSUCHSANORDNUNGEN

SULPTUR | MALEREI

Ulrike Möhle | Sabine Straßburger

17.November 2013, Syker Vorwerk-Zentrum für zeitgenössische Kunst

Zitat aus der Eröffnungsrede von Dr.Ari Hartog,(Direktor  Gerhard-Marcks-Haus,Bremen)

(…) Ordnung ist ein Grundprinzip der Kunst. Aus Ordnung und Systematik kann sich eine nachvollziehbare Sprache entwickeln. Vor allem für die gegenstandslose Kunst ist sie wesentlich. Kunstwerke, die von nichts handeln, zeigen immer wieder, dass sie von sehr viel handeln können. Nicht sofort. Denn erst einmal gibt es die Negation und dann ¬ bei näherer Betrachtung – wenn es gut gemacht ist, eine nachvollziehbare Bildsprache (…).

 

 

Ulrike Möhle  – Plastik als Prozess

Ausschnitte aus der Rede von Dr.Rainer Beßling(Kunsthistoriker,Kunstkritiker, Kulturjournalist) zur Kulturpreisverleihung des Landkreises Diepholz 2012

Es beginnt mit einem archaischen Motiv. Ulrike Möhle knüpft in einem frühen Werk an eine große Erzählung an: „Odyssee“ nennt die Künstlerin eine Arbeit aus dem Jahr 1994. Die kompakte plastische Form gleicht einem flachen Bootsrumpf. Schnitte lassen den Aufbau aus Einzelelementen erkennen. Sattes Blau, vielleicht ein Anklang an Meer und mediterranen Himmel, ist in das Material eingearbeitet. Begleitet wird das Blau von einem wolkigen Weiß. Die Farbigkeit der Außenhaut führt in das Innere der Terrakotta-Plastik und setzt sich dort fort.

Aufgeklappt zeigt der Körper ein eigenständiges Innenleben aus Linien- und Farbverläufen. Die Plastik ist erkennbar zusammengefügt und sie lässt sich aufklappen. Außen und Innen geben sich als eigene Welten zu erkennen, die miteinander korrespondieren. Wer die Brücke zur Odyssee des Homer weiterführen möchte, könnte an Irrfahrt und Stranden erinnert werden. Vielleicht aber auch an eine Entdeckungsreise mit zahlreichen Überraschungen, an die Begegnung mit Orten, die ein Geheimnis bergen. Ganz ähnlich sind die Erlebnisse, die in der Begegnung mit Ulrike Möhles Arbeiten auf den Betrachter warten.

Bereits als Meisterschülerin von Fritz Vehring an der Bremer Hochschule für Künste hat die nun in Okel lebende Künstlerin das Grundkonzept gefunden, das sie in verschiedenen Werkphasen entfaltet und auf eine formale Konzentration hin entwickelt. Schnittstellen deuten schon in den ersten Arbeiten auf einen zusammengesetzten plastischen Körper hin und verweisen auf die Möglichkeit der  Öffnung.(…)  Kubische Formen, die sich gleichfalls von Beginn an in Ulrike Möhles Werk finden, können in ähnlicher Weise als Chiffren für Behausung gelesen werden. Ob als konkrete Gebäude oder als Symbole für einen behütenden Lebensraum, das mag dem Betrachter überlassen bleiben.

Mit den anfangs noch deutlicheren gegenständlichen Bezügen verbindet sich aber auch schon die Möglichkeit einer abstrakteren Lesart. Die ganze Form gibt sich als Synthese aus verschiedenen Teilen zu erkennen, die unterschiedlich beschaffen sind. Eine häufig in ruhigem harmonischem Gleichmaß gebogene Hülle birgt nicht selten ein konstruiertes, eckig-kantiges Innenleben, ein komplexes Steckspiel, das sich unter der nach außen hin geschlossen wirkenden Oberfläche verbirgt.

Geschlossenheit, so ließe sich eine Erkenntnis ableiten, die auf Gedankengebäude wie auch auf Lebenswelten übertragbar ist, resultiert aus einer Korrespondenz von einzelnen Elementen. Die zusammengefügte Form verweist auf den Prozess des Teilens ebenso wie auf den des Verbindens. Die Passstellen, die als regelhaftes grafisches Ereignis auf der Hülle liegen, offenbaren nicht unbedingt das System im Innern, die äußeren Schnitte decken sich häufig nicht mit den inneren Verbindungsstrukturen. Die Farbigkeit der Innenseiten ist an den Schnittstellen ablesbar und lenkt die Aufmerksamkeit in das Innere. Dort warten allerdings manche farbliche Überraschungen auf den Betrachter.

Das Teilen und Öffnen der Formen lässt sich als klassisches analytisches Vorgehen verstehen, mit der wir der Wirklichkeit begegnen oder vielleicht eher begegnen sollten. Ulrike Möhles künstlerische Strategie, einen verborgenen Raum im plastischen Volumen mit zu formen, spiegelt einen Impuls und ein Bedürfnis wider, den Dingen auf den Grund gehen, den Kern der Dinge zu erkennen und damit ihr Wesen zu erschließen. Die Form zeigt sich als Formung und lädt dadurch ein, ihre Entstehung in den Blick zu nehmen und somit hinter die äußere Erscheinung zu schauen. Im Wort „entdecken“ verbirgt sich anschaulich das Vorgehen, dem inneren Zusammenhalt der Dinge auf die Spur zu kommen. Ent-decken, das heißt eine verbergende Hülle zu lösen, gleich, ob es sich wie in einer archäologischen Operation um Relikte handelt, um den Kern von Konventionen, um Zeichen in der Kommunikation oder um verdeckte, verschleierte Gedanken, die mit der entsprechend passgenauen Reflexion auszulösen sind.

Durch Abstraktion und Strenge lenkt die Künstlerin die Aufmerksamkeit ganz auf das Formgeschehen. Die gedanklichen Impulse, die in die Plastiken eingegangen sind, die gedanklichen Implikationen, die sie mit sich tragen, sind damit nicht ausgeblendet, sondern werden vielmehr geschärft. Reduktion der Form erweitert die Assoziationsräume. Verdichtung der Plastik schlägt sich in einer konzentrierten Betrachtung nieder. Angesichts dieser Werke, die Unwesentliches ausblenden, klären sich Wahrnehmung und Denken.(…)

Einfühlung und Sinnenschärfe gehen bei aller Rationalität und Reduktion keineswegs verloren. Das Anrührende, das in manchen Anklängen an Naturphänomene oder archaische Lebensformen steckt, die Auseinandersetzung mit existenziellen Fragen hält Ulrike Möhle allerdings durch Abstraktion und Formstrenge in Schach. Die Empathie für Naturphänomene, die sich insbesondere im frühen Werk im Material, in geschwungenen Formen, in einer sensiblen Farbgebung ausdrückt, kippt durch einen wohl austarierten Pendelschlag von Nähe und Distanz nie in einen Zeigegestus oder gar Appell um.

Ein Zeitsprung: Den Impuls für die jüngsten Werke der Bildhauerin geben erneut Schiffe. Diesmal sind es Container, nicht um eine Fernreise mit überraschenden Landgängen geht es hier, sondern um Logistik, um rationales Kalkül und optimale Raumausnutzung. Die Künstlerin interessiert allerdings nicht das Abbild heutiger Riesenfrachter, vielmehr schließt sie mit ihren Plastiken an deren Strukturen an. Das Stapeln von Modulen, der Blick auf Hüllen, die ihren Inhalt verbergen, auf ein komplexes Gefüge, auf Schweres, das zu schweben scheint, liegen im Fokus. So verbindet sich das Interesse an komplexen Systemen, die unsere Lebenswelt immer mehr bestimmen, mit formalem bildhauerischen Erwägungen.

Mit Beton und Keramik treffen bei den neueren Arbeiten zwei Werkstoffe mit höchst unterschiedlichen Eigenschaften aufeinander. Zeigt sich der massiv und zugleich hohl aufgebaute Beton mit rauer Oberfläche und leicht bröckelnden Kanten, weist der keramische Körper eine glattere Haut und exakte Linien auf.

Das schon im Material angelegte dialogische Gestaltungsprinzip setzt sich weiter fort. Im Vergleich zu früheren Arbeiten betont Ulrike Möhle aktuell noch stärker die Fugen und Leerstellen der plastischen Komposition in einem offenen Dialog zwischen Hülle und Kern. Anfangs fügten sich die Teile zu mehr oder weniger kompakten Körpern zusammen. Nun bilden die Elemente eine Konstruktion, die keine geschlossenen Linien und Flächen mehr aufweist. Zwischenräume und Überstände kennzeichnen das plastische Erscheinungsbild. Jedes einzelne Element behauptet dabei noch prägnanter seine eigene Form. Die abstrakt und funktional häufig unbestimmt auftretenden Einzelteile werden aufgewertet.

Die der Skulptur eigene Statik wird durch die Veränderbarkeit mit variablen Fugen dynamisiert. Mit der Raumbehauptung der Figur korrespondiert so der Faktor Zeit. Farbigkeit führt die Künstlerin in ihren neusten Arbeiten auf ein subtil gestaffeltes Spektrum an Graustufen und erdigen Tönen zurück. Warteten in den früheren Arbeiten vor allem an den Innenseiten der aufgeklappten Plastiken leuchtende Farben auf den Betrachter, ist das Kolorit nun zurückgenommener. Glasur tritt eher versteckt auf. Bisweilen erscheint ein Hauch von Transparenz neben der dichten Beton- und Keramik-Hülle.

Aufgestellt erinnern die gestreckten Rumpfformen an Türme. Das Stapelprinzip wird in die Höhe erweitert. Mit Sockeln und Modulen wie Stockwerke eröffnen die Konstruktionen Assoziationen an konkrete Gebäude, so wie häufig Architektur bei den Arbeiten von Ulrike Möhle mitgedacht werden kann. Aktuell klingt Architektur aber nicht im Sinne von Behausungen an, sondern von Konstruktionen, in denen einzelne Bauteile in einen komplexen, ausbalancierten Zusammenhang gebracht sind und mit der Umgebung korrespondieren. So wie Wassertürme, deren technisches System auf grundlegenden geophysikalischen Gesetzen basiert.

Bei allen möglichen Brücken zur Lebenswirklichkeit, zu Gesehenem dominieren aber weiterhin bildhauerische Fragestellungen und elementare Bauprinzipien. Fällt der Blick auf eine Plastik, in der eckige und gewölbte Körper zusammentreffen, könnte sich schnell die Vorstellung eines historischen Turmes einstellen. Schlitze in der Wand sind aber nicht notwendigerweise als Fenster zu verstehen, sondern Chiffren für Öffnung und Einblick, Verweise auf ein sichtbares oder vorstellbares Inneres.

Ulrike Möhle schafft aus einer Verbindung von formaler Strenge und organischer Anmutung, aus dem Zusammenwirken von Abstand und Empathie sowie mit größter technischer Meisterschaft Plastiken von hohem ästhetischen Reiz und energiereicher Präsenz. Thematisch verweisen Fügungen auf ein Ineinandergreifen und Zusammenwirken von Teilen, aus denen erst ein dynamisches Ganzes entsteht. Form und Funktion – in der Mechanik, im menschlichen Körper und eben auch in der künstlerischen Gestalt – spielen sich zu. So wie der Entstehungsprozess das äußere Erscheinungsbild bestimmt und Öffnungen auf Verborgenes deuten, verweist die Veränderbarkeit der Plastiken auf Bewegung als Wesenskern von Existenz. Die Künstlerin verfolgt mit großer Konsequenz ihre Vorstellungen und Fragestellungen, fügt sich aber in kein starres Konzept. Sie entwickelt ihre Arbeiten aus der Praxis, intuitiv aus dem Experiment, das sie zeichnerisch stützt und protokolliert. Aus der seriellen Erkundung eines Motivs und Themas, aber auch gerade in Übergangsphasen zwischen verschiedenen thematischen Impulsen entwickeln sich neue Formlösungen. Bei allem Sinn für das Spielerische: In der Vorbereitung der konkreten plastischen Form allerdings verfährt die Künstlerin dann äußerst präzise

 

Zitat aus einem  Text von Dr. Katerina Vatsella,( Kunsthistorikerin,Kuratorin für Kunstprojekte)

Bremen 26. Juni 2000

Auf spielerische, unkonventionelle Art und Weise erforscht, analysiert und  ordnet Ulrike Möhle in ihren Arbeiten den Raum, lotet die Möglichkeiten des Materials aus und erschafft dabei spannende und heitere Objekte, die nicht nur durch ihre ästhetische Qualität bestechen sondern auch in ihrer spannungsreichen Struktur zum Nachdenken anregen und die Möglichkeit von persönlichen Deutungen jedem Betrachter offen lassen.

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